Wie man die Websperre umgeht oder ein Beitrag zum allgemeinen Verständnis, wie die Websperre funktioniert

27Apr09
Zensursula

Eine Zensur findet (noch) nicht statt.

Nachdem unsere Bundesfamilienministerin einen Großteil der bundesdeutschen Internetuser für technisch unfähig hält (siehe hier) bzw. ‚versierte‘ Internetbenutzer mit pädophil-interessierten Menschen gleichsetzt, dachte ich mir, es ist wohl an der Zeit ein wenig Aufklärung zu betreiben.

Wie funktioniert die Websperre?

Nun, mittlerweile ist ja allgemein bekannt, dass IT-Experten von der Websperre der Bundesregierung nicht allzuviel halten. Das liegt nicht nur an dem zensorischen Unterton, den das ganze trägt, sondern vor allem auch an ihrer Nutzlosigkeit. Die Websperre setzt momentan am DNS-Dienst der Provider an. DNS hat hier nichts mit Gentechnik zu tun, sondern heisst Domain Name System. Dieser Dienst sorgt dafür, dass wir in unserem Webbrowser relativ einfach zu merkende Begriffe wie bspw. http://www.google.de o.ä. eingeben können und uns nicht lange Zahlenreihen als Website-Adressen merken müssen. Tatsächlich kommunizieren/finden sich  Computer untereinander über numerische Adressen, den sog. IP-Adresse (IP beschreibt das Protokoll, die Sprache, mit der die Computer hier kommunizieren und steht in diesem Falle für Internet Protocol).

DNS sorgt nun dafür, dass die Google-Seite gefunden wird, wenn wir im Browser http://www.google.de eingeben und wir uns nicht die IP-Adresse der Seite merken müssen (in diesem Falle könnte die 208.69.34.230 heissen). DNS selbst wird auf entsprechenden Servern (sog. DNS-Servern) betrieben und im allgemeinen benutzt ein Heimanwender den DNS-Server seines Internetproviders.

Die Websperre setzt an diesen DNS-Servern an. Diese stellen im Prinzip Listen bereit, die die oben dargestellten Beziehungen zwischen (Domain)Namen und IP-Adressen herstellen. Hier will die Websperre nun aufgrund von ominösen Sperrlisten, die für die Öffentlichkeit nicht einsehbar sind (man muss uns ja schützen), eingreifen. Die Namensauflösung (der Vorgang, bei dem Namen in IP-Adressen übersetzt werden) soll so umgebogen werden, dass der potentiell Pädophile von seiner ‚Zielseite‘ auf die Seite mit dem Stoppschild umgeleitet wird. Das ist im Prinzip von der technischen Realisierung kein Problem, allerdings auch recht nutzlos, denn – kein Anwender ist gezwungen, den DNS-Server seines Providers zu benutzen. Es gibt mehrere ‚freie‘ DNS-Dienste im Internet, die sich an solchen Zensurmaßnahmen nicht beteiligen.

Wie verwende ich einen alternativen DNS-Server?

Bevor ich nun selbst eine Anleitung verfasse – hier sind zwei Anleitungen zur Einstellung von alternativen DNS-Servern:

Chaos Computer Club – Anleitung zur Konfiguration der DNS-Einstellungen (deutsch)

OpenDNS.com – Use OpenDNS (englisch)

Bleibt noch zu hoffen, dass diese Machenschaften von vielen Leuten als das erkannt werden, was sie wirklich sind: Wahlkampfpolitik. Diese Sperren nutzen niemanden – sie verhindern weder, dass die Leute, die nach Kinderpornographie suchen, diese finden noch helfen sie den Opfern dieser Industrie. Viel wahrscheinlicher ist, dass die Filterung von Inhalten in Zukunft noch weiter voran getrieben wird (was Regelungen in anderen Länder beweisen) und hier langsam aber sicher eine Zensurinfrastruktur aufgebaut wird. Verdeckte Sperrlisten öffnen zudem den Missbrauch des Systems Tür und Tor.

Statt Geld in solch zweifelhafte Maßnahmen zu stecken, wäre eine Unterstützung der Behörden, die gegen entsprechende Verbrechen vorgehen bzw. der Vereine, die sich mit Opferbetreuung befassen weit sinnvoller. Es sieht aber eher so aus, als sei dies nicht die Hauptintention hinter den Maßnahmen.



2 Responses to “Wie man die Websperre umgeht oder ein Beitrag zum allgemeinen Verständnis, wie die Websperre funktioniert”


  1. 1 blogcopter.de » So funktioniert die Internetzensur
  2. 2 The Rainlights Gazette

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